Station 2: “GEMEINWOHL”

In 7 Stationen von der Krise in eine neue Normalität.

Franz Gosch & Andreas Gjecaj

Eine Gesellschaft, die auf das Gemeinwohl baut und allen ermöglicht, ihr Menschsein zu verwirklichen.

„Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann – frage, was Du für Dein Land tun kannst“  lautet ein oft zitierter Satz aus der Antrittsrede des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy aus dem Jahr 1961. In das Spannungsfeld zwischen der Vertretung persönlicher Freiheiten und eigener Interessen gegenüber jenen unserer Mitbürger/innen und des ganzen Landes wurden wir durch die Corona-Krise ganz jäh hineingeworfen. Natürlich beinhaltet die Würde, Einheit und Gleichheit aller Menschen auch deren Gesundheit. In Österreich haben wir uns dafür entschieden, zum Schutz der Gesundheit, besonders jener Menschen, die wegen ihrer Vorerkrankungen oder ihres hohen Alters durch eine Virus-Infektion besonders bedroht wären, auf persönliche Freiheitsrechte zu verzichten.

Die Bundesregierung hat im Frühjahr 2020 diesen Weg vorgegeben, die Bevölkerung hat ihn in hohem Maße mitgetragen und damit Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen. Dies ist umso bemerkenswerter, als am Beginn des 21. Jahrhunderts und des „digitalen Zeitalters“ in vielen Ländern die Gefahr eines Verlustes von Sinn- und Wirklichkeitsbezügen besteht. Die Digitalisierung schien eher einen Lebensstil, der aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und Leichtsinn, keine Verantwortung mehr anerkennen will, zu bestärken. Doch angesichts globaler Herausforderungen, die lauten: Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel und demographischer Wandel, wird ein Button mit der Bezeichnung: „Click here to save the world!“ nicht ausreichend sein. Die Krise hat in Erinnerung gerufen, dass die Übernahme von Verantwortung unbequem ist und es oft riskant erscheint, unsere „Komfortzone“ zu verlassen.

Nicht nur das Corona-Virus hat sich mit rasender Geschwindigkeit weltweit ausgebreitet, auch das Gemeinwohl muss weltweit gedacht werden und eine Form menschenwürdiger Globalisierung anstreben. Zur Schaffung eines universellen Gemeinwohls, im Respekt und unter Wahrung geschichtlicher und kultureller Eigenarten jedes Landes, wird es in einer „neuen Normalität“ wieder einen höheren Grad internationaler Ordnung und stabilere Beziehungen zwischen Staaten brauchen. Grundgedanke könnte dabei ein weiterer Satz aus der Antrittsrede sein: „Wenn eine freie Gesellschaft den vielen nicht helfen kann, die arm sind, kann sie die wenigen nicht retten, die reich sind.“

Franz Gosch ist FCG-Landesvorsitzender Steiermark & GPA-Bundesgeschäftsführer
Andreas Gjecaj ist FCG-Generalsekretär, ÖGB-Sekretär und Redakteur des „Vorrang Mensch“-Teams