Station 7: “NACHHALTIGKEIT”

In 7 Stationen von der Krise in eine neue Normalität.

Franz Gosch & Andreas Gjecaj

Eine Zivilisation der Nachhaltigkeit, in Balance zwischen wirtschaftlichem Wettbewerb, sozialem Schutz und Bewahrung der Lebensgrundlagen.

„Die ökologische Umkehr, die gefordert ist, um eine Dynamik nachhaltiger Veränderung zu schaffen, ist auch eine gemeinschaftliche Umkehr“ schreibt Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“. Noch bevor die weltweite Corona-Krise uns allen eine „Atempause“ aufgezwungen hat, wurden dank der von Greta Thunberg gegründeten „Fridays for Future“ – Bewegung die toten Flüsse, die gerodeten Amazonas-Wälder, die verheerende Verschmutzung der Weltmeere, die abschmelzenden Polkappen, die Sturm- und Hochwasserereignisse und sämtliche andere Klimakatastrophen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Offensichtlich steht die Menschheit in Bezug auf die Klimakrise vor der größten Herausforderung seit Generationen. Unser Lebensraum, unser „gemeinsames Haus“, wie es Papst Franziskus nennt, unsere Biosphäre, steht vor dem Zusammenbruch. Wenn es so weitergeht, wie bisher, dann geht es mit unserem Planeten nicht mehr lange weiter, dann haben wir keine Zukunft. In einem Buch zu Konsequenzen aus der Corona Krise haben Ärzte aus Kärnten die Weggabelung, an der wir stehen, so beschrieben: „Der Mensch kann bestimmen, ob er diese Welt verdient hat und zurückkehrt, oder sich nicht besser doch mit einem gigantischen Seufzer von diesem Planeten verabschiedet, damit die Einzeller wieder von vorne beginnen können; mit dem großen Experiment Leben.“ Wenn die Zukunft der Menschheit tatsächlich durch unsere Art zu leben und zu wirtschaften massiv bedroht ist, dann bedeutet eine Einführung in das gesellschaftliche Lebenswissen, die Sozialisation, nicht Menschwerdung für den Einzelnen und Zukunft für die Gesellschaft, sondern genau das Gegenteil. Mit Blick auf die zugespitzte Lage der Menschheitsgesellschaft formulierte Paul M. Zulehner einst:

„Gefordert ist, den Zugang zu neuen Lebensmustern zu erschließen. In der Hoffnung, die Gesellschaft so zu ändern, dass sie wieder Zukunft hat.“

In einer „neuen Normalität“ müssen wir Fahrt aufnehmen in Richtung einer weltweiten „ökosozialen Marktwirtschaft“, die eine neue Balance zwischen einem – in jeder Marktwirtschaft stattfindenden – fairen Wettbewerb, einem gerechten Ordnungsrahmen im Sozialstaat und dem lebensnotwendigen Schutz der Umwelt sucht und findet. Nur so werden wir von einer „Zivilisation des Raubbaus“ zu einer „Zivilisation der Nachhaltigkeit“ gelangen!

Franz Gosch ist FCG-Landesvorsitzender Steiermark & GPA-Bundesgeschäftsführer
Andreas Gjecaj ist FCG-Generalsekretär, ÖGB-Sekretär und Redakteur des „Vorrang Mensch“-Teams